FC St. Pauli vs. Fortuna Düsseldorf 4:0

Reichlich abgehetzt und erschöpft komme ich im Stadion an. Die Mannschaft betritt gerade den Platz und dreht die Begrüßungsrunde über den Rasen.
Die Zeit bis zum Anpfiff vertreibe ich mir mit klarkommen und der Pöbelei gegen meine Mitstehenden, die mir a) zuviel reden, b) mir mit Fahnen im Gesicht herumstochern und c) mir Konfetti überwerfen, welches ich heute morgen sogar in meiner Dusche finden konnte.
Der Vorsatz, dem Alkohol zu entsagen, wird nach kurzer Abwägzeit über den Haufen geworfen bzw. die Kehle heruntergestürzt.

Bereits beim „Aux Armes“ ist zu merken, dass hier irgendetwas anders ist. Die Mannschaft scheint den positiven Druck von den Rängen aufzusaugen und spielt einen sehr vernünftigen Stiefel. Ballsicherheit, gesunde Arroganz und sinnvoller Spielaufbau. Ich beginne an meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln, als Kyoung-Rok Choi innerhalb von sechs Minuten zweimal trifft und wir hastenichgesehen 2:0 führen. Düsseldorf spielt desolat. Die Fans von Fortuna Düsseldorf sind frustriert, Gegenstände fliegen auf den Platz, der Zusatztribüne auf der neuen Nordkurve sei Dank. Es wird kräftig in Richtung Gegengerade gepöbelt und einige Sitzschalen müssen auch dran glauben, als Waldemar Sobota zum 3:0 trifft.
In der Halbzeitpause sehe ich mich um und versuche in den Gesichtern der Menschen zu lesen. Überwiegend Erleichterung, denn nach diesen ersten 45 Minuten glauben alle fest an den Heimsieg.
Ich selbst verbringe den Rest des Spiels ebenfalls ganz entspannt. Plötzlich steht es durch Daniel Buballa 4:0, die nun insgesamt vier Tore konnten sich alle sehen lassen und mich packt die Fassungslosigkeit. Um mich herum explodieren Stimmen, Freudentänze werden aufgeführt und etliche Liter Bier fliegen durch die Luft. Inmitten dieses Trubels stehe ich und starre mit debilem Grinsen auf den Platz und auf die Anzeigentafel. So fassungslos, dass ich nicht mal jubeln konnte, war ich lange nicht mehr bei einem Fußballspiel.

Nach Abpfiff verziehe ich mich in die Fanräume und trinke ein Bier beim weltbesten Leipziger, den ich kenne. Später treffe ich noch einen netten Menschen aus Potsdam, einige Biere dürfen nicht schal werden. Zu Hause angelangt benötige ich längere Zeit, um einigermaßen in den Schlaf zu finden.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein sehr gelungenes Spiel mit vier Toren auch nur mit drei Punkten belohnt wird. Das Thema Abstiegskampf ist weiterhin aktuell. Der Auftritt der Spieler macht mir dennoch Mut, auch die nächsten scheinbar schwierigen Spiele erfolgreich zu gestalten. Böse Zungen behaupten stur, der Abstieg wäre bereits besiegelt. Ich denke nicht, dass wenn die Mannschaft so weiterspielt, persönlichen Befindlichkeiten hassgetriebener Personen entsprochen wird.

Noch was aus der Zitateecke:
„Pöbel und Gesocks- Choi, Choi, Choi!“
„Schenk‘ ein, den Lachs!“

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Vorrausschau

Montag geht es also wieder los. Genau genommen schon letzten Samstag, aber da ich anderweitig verhindert war, ist das zweite Spiel im neuen Jahr mein erstes. Natürlich bin ich gespannt, aufgeregt und nervös. Aber es lässt sich aushalten. Liegt es am unaufhaltsamen Altern oder am schwindenden Interesse? Ich kann die Antwort nicht eindeutig geben, zuviel ist passiert, als dass ich euphorisch in die Rückserie starte. Klar, es gibt einen neuen Trainer, neue Spieler, aber den spielerischen Beweis sind die Götter in Braun-Weiß im ersten Rückrundenspiel schuldig geblieben. Daher freue ich mich vorrangig auf die netten Menschen und die Atmosphäre. Montagabend, Flutlicht. Mehr will ich erstmal nicht und da es abends aus unerfindlichen Gründen dunkel ist, bekomme ich wohl mein Flutlicht. Ich warte geduldig auf den Moment, an dem der Funke kommt, der die Leidenschaft neu entzündet und mich erhellt. Selbstlos wie ich bin, gebe ich die Erleuchtung gerne an die Mannschaft weiter. Falls das klappt, schreibe ich auch gern weiter Berichte. Falls nicht, wahrscheinlich auch.
Ich weiß nicht genau, wo ich mit meinem Vorbericht hin will, ich habe einfach drauflos geschrieben. Dieser ungewohnte Bericht im Vorfeld eines Spiels ist der Langeweile geschuldet. Irgendwie auch dem Gedanken, wo ich mich gerade befinde und wo ich eigentlich hin will. Nicht aus sportlicher Sicht, sondern persönlich. Da sich meine persönliche desöfteren schon mit der sportlichen Situation meines favorisierten Fußballclubs gedeckt hat, stellt sich mir also diese Frage. Das dritte Jahrzehnt meines Lebens ist beinahe erreicht, ich habe einen wundervollen Sohn und tolle Menschen bereichern mein Leben. Mehr geht irgendwie nicht, aber was mich etwas nachdenklich macht, ist die Abgeklärtheit, mit der ich dem aktuellen Fandasein begegne. Früher wurde sich jedem Wochenende in allen erdenklichen Ecken des Landes dem Rausch hingegeben, Teil einer verschmolzenen und in sich geschlossenen Masse zu sein. Mit allem was dazugehört. Aufgabe des Individualismus, Bewusstwerdung der Abnabelung vom Vater. Das sind so zwei gewichtige Eckpunkte meines Heranwachsens, welche sich sehr bedeutsam anfühlen. Individualismus kehrt langsam zurück, zum Glück. Das sich selbst Zurechtfinden und seinen Platz in der Masse von 20.000 Menschen zu finden, ist nicht einfach und auch nicht frei von Kompromissen. Mittlerweile habe ich das erkannt (sonst würden die Worte nicht dergestalt aussehen) und es beginnt sich etwas Neues zu entwickeln. Vielleicht setze ich mich neu zusammen, um in der Rückrunde noch eine neue Facette und Abhängigkeit meiner persönlichen Situation vom Fandasein, kennenzulernen. Sollte mir das irgendwann bewusst sein, erscheint bestimmt ein weiterer Bericht mit einer derart persönlichen Note.
Danke für’s Lesen.

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FC St. Pauli vs. SV Darmstadt 1898 0:1

Wir sind nach diesem Spiel 18. der Zweiten Bundesliga. Kaum verwunderlich. Die Einen entschuldigen die miserablen Leistungen mit dem großen Verletzungspech, die Anderen üben sich in Durchhalteparolen. Zu letztgenannten gehören Präsident, Spieler und Trainer. Wie lange will man noch auf Herzblut, rote Karten und verletzte Gegenspieler warten? Es muss etwas passieren ganz klar, aber seit etwa fünf Heimspielen habe ich die Hoffnung aufgegeben und erwarte nichts, wenn ich ins Stadion gehe. Mir wurde eine unerklärliche Ruhe diagnostiziert. Im Vergleich dazu musste ich vor oben genanntem Zeitraum regelmäßig besänftigt werden, um den Zaun nicht abzureißen, der das Publikum von den Spielern trennt.
Ich möchte keinen Alonso oder Robben (eigentlich doch), ich möchte nur, dass sich die werten Herren, die unsere Trikots regelmäßig nur anschwitzen, ihren Hintern aufreißen und zeigen, dass sie verstanden haben, worum es geht, wenn ich mehr Hass verlange. Manche Dröhnbüddels aus meinem Stehplatzumfeld haben das nämlich nicht verstanden.
Der Trainer darf sich gerne öffentlich echauffieren und nicht immer alles auf die verletzten eigentlich Stammspieler schieben. Es spricht Bände, dass auf der Ersatzbank am Sonntag drei Spieler aus der U23 saßen, aber wie bitteschön kann es sein, dass sich die halbe Mannschaft jede Woche neue Gebrechen abholt? Da darf man sich als sportliche Leitung dann auch mal gerne Gedanken machen, ob man als Trainer das richtige Programm ablaufen lässt. Auch wenn man Halbgott in Braun-Weiß ist.
Was ich ebenso wenig verstehen kann, sind die Rufe nach einem Heilsbringer in Gestalt von Deniz Naki. Klar, cooler Typ, durchschnittlich guter Spieler, aber nach seiner sportlichen Talfahrt nach seiner guten Zeit beim FC Sankt Pauli, halte ich diese Wunschverpflichtung noch nicht für sinnvoll.
Leider hat unser neuer Präsident dem Team um Rachid Azzouzi und Thomas Meggle scheinbar einen Freifahrtschein in die Niederungen des unterbezahlten Drittliga-Fußballs erteilt und fährt nach seiner gewonnen Wahl auf der vergangenen Jahreshauptversammlung im November Kuschelkurs mit einem Boot aus Seide.

Meine Gefühlslage lässt sich nicht wirklich klar definieren. Hass auf die Scheißegalhaltung eigentlich gestandener Profis, Fassungslosigkeit über Fehler wie gestern vorm 0:1 oder auch Vorfreude auf brisante Duelle gegen die Vereine aus der ostdeutschen Teilrepublik wechseln sich stetig ab und spielen das Lied vom Abstieg.

Mir ist gerade nach „Verein runterrocken, absteigen und nach fünf Jahren wieder in die Erste Bundesliga aufsteigen und Deutscher Meister werden“. Das würde mir schmecken.

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Spvgg Greuther Fürth vs. FC St. Pauli 3:0

Das ist das alte Sankt Pauli.

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FC St. Pauli vs. FC Ingolstadt 1:1

Die Sommerpause ist vorbei und es geht wieder los. Viele Fragen sollten heute beantwortet werden, etwa was das Leistungsvermögen der Mannschaft angeht oder ob bei sehr sommerlichen Temperaturen die Feuerwehr den Wasserpreis durch Sprühspritzschläuche auf die schwitzenden Menschen in den Blöcken auf galaktische Reisen schickt.

Weit vorm Spiel traf man sich zu Soja-Steak, Schweinewurst und Getränk in einem Park, um den Spieltag entspannt und gruppendynamisch sinnvoll anzugehen. Nach einem Marsch mit gut 250 Menschen ging es dann zum Stadion. Ich musste noch Karten hin- und herorganisieren und konnte dann endlich auf meinen Platz im Stadion. Blicke in das weite Eck sorgten für Vorfreude und ich befand den Tag und meine Stimmung als nahezu perfekt, um mit einem Sieben zu Null Tabellenführer zu werden und den ersten Platz der zweiten Bundesliga bis zum 34. Spieltag nicht mehr herzugeben.

Die Mannschaft hatte 20 Minuten lang scheinbar das gleiche Bedürfnis, dann langte es aber auch wieder mit Fußball und Ingolstadt ging mit eins zu null in Führung.
Ernüchterung war die Folge, leider hat man sich überlegt, den Bierpreis um läppische 50 cent auf vier Euro zu erhöhen, sodass der Ernüchterung durch nicht vorhandene fußballerische Glanzleistungen auch mit Bier nicht entgegenzutreten war.

In der zweiten Halbzeit gelang uns dann noch durch Herrn Gonther der Ausgleich. Leider etwas spät, sodass die Mannschaften sich letztlich mit einem Unentschieden begnügen mussten.

Fazit des Spieltags ist, dass die Leute und die Atmosphäre und das Drumherum und die Paulipaadie immer noch toll sind, Fußball beim FC St. Pauli aber wie in der letzten Saison nahezu identisch boykottiert wird. Ich möchte mich nicht zum Trainer und den immer wiederkehrenden Durchhalteparolen äußern, ich möchte der Mannschaft nach dem ersten Saisonspiel kein Vertrauen entziehen und ich möchte auch nicht meckern. Aber Fußball möchte ich schon gern sehen dürfen.
Verdammt nochmal, mehr Hass!

Kurz bevor ich die Zeigefinger wetzte, um in die Tasten zu hacken, sickerte durch, dass ein neuer Stürmer, Ante Budimir, zu uns wechseln wird. Zu finden ist die Information beim abgebenden Verein und einer Website, die sich auf die zweite Bundesliga spezialisiert hat. Seine Empfehlung sind fünf Tore in drei Spielen.
Ob der Herr sich in der zweiten Liga zurecht findet und uns weiterhelfen kann, möchte ich erst nach Bestätigung durch den Verein erörtern.

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FC St. Pauli vs. FC Erzgebirge Aue 2:2

Danke an
- die Organisatoren der Barkassenfahrt
- die Organisatoren der Sonderzugfahrt nach Köln
- meine Frau und meinen Sohn
- meine Freund*innen auf der Gegengeraden und in der Südkurve
- Thees Uhlmann
- die sogenannten Fans für die schöne Licht- und Rauchshow
- Kevin Schindler
- Florian Mohr
- Fin Bartels (Who the fuck is Hansa Rostock?)
- Fabian Boll (ACAB ;-) ) für Einsatz und Herzblut.

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1. FC Köln vs. FC St. Pauli 4:0

Wir beginnen die Sonderzugtour mit emotionalen Gesprächen über Bim Bam Bino und das TV-Diktat der privaten Fernsehsender in den neunziger Jahren. Mit uns im Abteil sitzt ein Mensch, den ich lange nicht gesehen hatte. Gruß geht raus an das Rotwild.

Die Hinfahrt verläuft relativ ereignislos, sitzen, Bierverköstigung mit Niveau und weitere hochtrabende Gespräche über alles, bloß nicht Fußball. Warum auch? Wir dümpeln im Niemandsland der Tabelle, Köln ist aufgestiegen und Meister der zweiten Bundesliga. Ich tippe 4:0 für Köln, mir verrät ein Gefühl, dass ich nicht Unrecht behalten sollte. Leider haben wir keine Einsätze gesetzt. In Köln werden wir in die Straßenbahn verfrachtet und zum Stadion gekarrt. Das Stadion ist ganz schick, nur leider zu viele Sitzplätze. Die Wurst ist nicht so lecker, außerdem viel zu teuer. Bitburger alkoholfrei ist wenig erquickend, und so labe ich mich an Cola und Fanta. Zuckerparty, aber das ist nach einer bierigen Hinfahrt auch okay.

An dieser Stelle könnte etwas über das Spiel stehen.

Auf dem selbem Weg wieder zum Sonderzug, kurz sich, beziehungsweise das imperialistische Großkapital gefüttert und dann ab in den Zug. Schlafenszeit. Als ich in Harburg von der Durchsage des Zugbegleiters geweckt werde, ist es dunkel und alle schlafen in meinem Abteil. Ich habe Glück, eine S-Bahn steht am Gleis und ich habe genug Energie, um in die Bahn zu hüpfen und mich ins Bett fahren zu lassen.

Nächste Woche habe ich vielleicht wieder einen Grund, um über Fußball zu schreiben. Ich gucke ja nichtmal „Die romantischsten Eisenbahnstrecken der BRD“, daher bin ich etwas skeptisch, ob mein reiner Bahnfahrbericht hier Anklang findet.

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Fortuna Düsseldorf vs. FC St. Pauli 0:2

Unerhört früh kann ich mich dem Spieltagsbericht vom vergangenen Sonntag widmen. Möglich machen dies besondere widrige Umstände. Auf der einen Seite komplett zusammengebrochen gelingt mir diesmal andererseits, die faule Schreibhand zu aktivieren.
Samstag Abend habe ich mir dann doch noch einen Busplatz und eine Eintrittskarte organisiert, um die Mannschaft mit vielen anderen Menschen nach Düsseldorf zu begleiten.
Die Hinfahrt verlief ereignislos, zur Abwechslung mal gute Musik und kühle Getränke ließen uns schnell in Düsseldorf landen. Landen deshalb, weil die Arena erstens in einem von Wellblechhallen dominierten Gewerbegebiet liegt. Zweitens sieht die Arena (ich schreibe absichtlich Arena, den Namen Stadion hat dieses Geschöpf inkompetenter Architekten nicht verdient) auch selbst aus wie ein Terminal eines Flughafens.
Nun denn, ich möchte meinen, der Gästeblock ist einer der besseren in Liga zwei. Steile Stufen, genug Platz, gute Sicht. Ach ja, und sogar zwei Aufgänge, die einen sicheren Altbiernachschub garantierten. Das schmeckt mir.
Dieses Auswärtsspiel ist meiner Meinung nach eines der attraktivsten dieser Saison gewesen. Engagierte Spieler, die sich unterstützten, effektives um-den-Ball-kämpfen und dann auch noch einen Vorsprung nach Toren gehalten und sogar noch erhöht.
Das 1:0 aus unserer Sicht fiel nach einem konsequent zu Ende gespielten Konter, dem ein Fehler in (Un)Fortunas Abwehrspiel vorausging. Fortuna in der Folge nicht aggressiv genug, teilweise auch ohne das nötige Glück. Das hatten wir heute gepachtet, in der Nachspielzeit gelang noch der Endstand von 2:0 aus unserer Sicht. Spät, fast zu spät, aber nicht unverdient.
Nach dem Abfeiern der Mannschaft setzte ich mich in den Bus und verschlief fast die ganze Rückfahrt.
Gut, dass es Fußball gibt.

PS: Hey, Hamburger Sportverein! … always smarter than you! ;-)

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FC St. Pauli vs. 1. FC Union Berlin 2:1

Wie immer weit vor Spielbeginn packte mich die Nervosität. Ich habe Hunger, kann aber nichts essen, die Zigaretten schmecken nicht und wenn nicht alles wie immer läuft, verlieren wir.
In meinem zwanghaften Wahn fuhr ich zum Stadion, um meine Wahnliste abzuarbeiten. Zeitung 1 gekauft, Zeitung 2 ist noch nicht da. Erstes schlechtes Omen. Die Zeit bis zum Einlass vertrieb ich mir mit einem leckeren Bier, Warten und Eintrittskartenorganisation für andere Menschen. Das mache ich gefühlt jedes Mal, obwohl ich mir immer sage, dieses Kartenverteilen ist zu stressig, Leute halten sich nicht an die Absprachen und bringen meinen Zeitplan durcheinander. Diesmal lief alles glatt, zwei Menschen aus Berlin wollten Union weinen sehen und warteten mit uns voller Vorfreude auf den Anpfiff.

In der ersten Halbzeit war schnell zu erkennen, dass beide Mannschaften eine ähnlich kompakte Strategie fuhren, die zu einem kampfbetonten, nicht wirklich ansehnlichen Spiel führte. Zwei, drei Chancen gab es auf jeder Seite, aber zwingenden Spielfluss brachte kein Team zustande.
Bei Union stach wie immer der dicke Mattuschka aus dem Team hervor, der mit seinen Weitschüssen Philip Tschauner zu Höchstleistungen zwang. Menschen, die hinter mir standen, unterhielten sich so angeregt über die Körperfülle des beinahe schon Fußballrentners, dass es mir ein Vergnügen war, zuzuhören. Dies hob meine bis dato leicht frustrierte Stimmung.
Irgendwann in der zweiten Halbzeit ging Union dann in Führung, drei Minuten später schoss Sebastian Schachten den Ausgleich. Ich mag den Basti. Unglaublich unkoordinierter Laufstil, jedoch nicht minder engagiert. Herr Schachten ist ein Spieler, den man in so einem Spiel unbedingt aufstellen muss. Leidenschaft, rennen, fluchen, antreiben.
Positiv aufgefallen ist mir noch Marcel Halstenberg, der ein ums andere Mal mit wuchtigen Fernschüssen für Gefahr vorm Berliner Tor sorgte.
Die Stimmung an diesem (Scheiß)Montagabend war ok, ich habe eigentlich höhere Supportansprüche. Nur ein oder zweimal konnte man erahnen, wie laut die Gegengerade sein kann. Mehr davon!
Zum Ende wurde es recht laut, ich hatte das Gefühl, dass heute ein Großteil der Zuschauer unbedingt einen Heimsieg sehen will. Und Fin Bartels hat das wohl genauso gewollt, in der 88. (pfui!) Minute traf er ins Tor der Unioner und machte so den 2:1 Endstand perfekt.
Dem Menschen, der nach dem Ausgleich sein Bier über mir entleerte (und es war nicht in der Emotion des Torjubels, sondern bei Song 2), empfehle ich, sich beim nächsten Spiel nicht neben mich zu stellen und erneut sein Bier absichtlich durch die Luft zu werfen. Bist du ein Kosmonaut, oder hast du im Physikunterricht nicht aufgepasst? Schwerkraft ist das Stichwort! Du Hackbraten.
Irgendwann hatte ich genug vom Abfeiern der Mannschaft und ging noch kurz was essen und ein Bier trinken. Dann fuhr ich mit der Bahn direkt ins Bett.

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FC St. Pauli Handball 1. Herren vs. Dithmarschen LH 23:24

Eine Premiere verdient besondere Dramaturgie. Natürlich besuchte ich nicht zum ersten Mal ein Handballspiel des FC Sankt Pauli. Mit Premiere ist dieser Beitrag über ein Handballspiel gemeint.
Wer ein vor Regelkenntnis und taktischem Verständnis strotzendes Machwerk erwartet, ist hier falsch und möge bitte die Seite verlassen. Ich versuche die Geschehnisse vom Hallenboden trotzdem möglichst lückenlos wiederzugeben. Haha.

Anreise.
Schwierig, weil sich die Hochbahn zu Hamburg mal wieder selbst Bahnen von den Schienen nahm und unbedingt am Wochenende Bauarbeiten durchführen muss. So brauchte ich fast eine Stunde, um in die Halle zu gelangen.

Vorspiel.
Bier und Cola, ein Freund würde einfach nur Elektrolyte sagen. Ich gönnte mir noch eine Zigarette, um dann auf den angestammten Platz zu eilen. Siehe da, unendlich viel Platz, da der übrige Pöbel mit den zweiten Damen wettkampftechnisch unterwegs war. Erschrocken musste ich feststellen, dass sich aus Dithmarschen eine Meute von übermäßig alkoholisierten Menschen in der Halle platzierte, die allesamt in den einfallslosesten Kostümen aufgelaufen waren. Vom Sträfling bis zum Notarzt alles dabei…Alaaf.

Spiel.
In der ersten Halbzeit führten wir teilweise mit fünf, sechs Toren, was mich allerdings noch nicht hoffen ließ. Eines der ersten Dinge, die man in diesem Verein spartenübergreifend mit dem ersten im Jolly Roger getrunkenen Bier aufsaugt, ist, dass man erst nach Abpfiff gewonnen hat. Soweit, so schlecht. Schnelle Spielzüge und eine frische Abwehrreihe machten also die hohe Führung möglich, während die Dithmarscher Spieler nicht wirklich Betriebstemperatur erreichten. Na gut, warten wir mal auf die zweite Halbzeit.
In der zweiten Halbzeit gelang es uns trotz schneller Vorstöße und gelungenen, teils weiten Pässen nicht, die Führung auszubauen. Oftmals scheiterten wir am starken Dithmarscher Torwart. Scheinbar hatte er sich in der Halbzeitpause Körpermasse einverleibt. Ein ums andere Mal wurde der Torwart getroffen, nachdem wir eigentlich großartig vor dem Tor der Dithmarscher auftauchten. Dazu gesellte sich eine nun treffsichere Mannschaft aus Dithmarschen. Zum Ende wurde es spannend, wie im Elfmeterschießen beim Fußball. In den letzten zwei Sekunden hatten wir die Chance zum Ausgleich, scheiterten jedoch am Dithmarscher Torwart. Dramatik, Ärger, Unterstützung.

Schluss.
Unsere Handballmannschaft wurde mit aufmunterndem Applaus verabschiedet, so ging ich also doch recht zufrieden aus der Halle ins Jolly Roger.
Ein Satz noch zu dem Partymob aus Dithmarschen: Wer Ärger sucht, muss sich nicht wundern, wenn man jemanden findet, der auf Provokationen einsteigt.

Das Schlusswort hätte gern schöner ausfallen können. Eigentlich.
Soviel dazu, mehr nicht.
Handballsachverstand.

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