1. FC Union Berlin vs. FC St. Pauli 4:2

Berlin also. Diesmal per InterCityExpress, aber trotzdem nicht schneller als so manch anderes Vehikel. Für mich war es der dritte oder vierte Ausflug nach Berlin, immer nach Köpenick. Soweit ich mich entsinne, erzielten wir dabei unabhängig von der Punktausbeute ein annehmbares Ergebnis. Im Vorfeld rechnete ich mir nicht sonderlich viel aus, gehört FCUB doch zu den spielstärksten Mannschaften in der zweiten Bundesliga. Achja, und den Menschen mit dem poetischen Namen T. Mattuschka gibt es ja auch noch im Team der Rot-Weißen. Äh, das ist doch hier ein Blog über den FC Sankt Pauli? Genau, also, ja.
Ein meiner Meinung nach intensiv geführtes Spiel, mit zweimaligem Rückstand und zweimaligem Ausgleich, wobei der erste Treffer nun endlich die Hamburger Medien zufrieden stellt und mediales Lechzen nach dem 100. Tor in der zweiten Liga definitv vorbei ist. Ich muss sagen, dass mir der zweite Treffer, also das Tor von Herrn Schachten, deutlich besser gefiel. Aus etwa 18 Metern zieht er nach einer Abwehr des Unioner Defensivverbundes ab und die Kirsche zappelt im Netz. Kompromisslos, risikoreich, gern gesehen. Leider reichte es dann nicht zum vierten Sieg in Folge, wobei mir eine derartige Serie des FC Sankt Pauli auch unheimlich vorkäme. Daher tat die Mannschaft nach dem Ausgleich ihr Übriges und ließ mich in meiner Komfortzone vegetieren.
Der recht volle Gästeblock wusste die Leistung der Mannschaft während des Spiels zu würdigen und sang laut meiner Ohren nach ausdauernd und für einen FC Sankt Pauli- Auswärtsblock lautstark.
Mir wurde wieder einmal vor Augen und ins Herz geführt, weshalb ich das Konstrukt des FC Sankt Pauli und seiner Fanszene so unglaublich zu schätzen weiß, kitschigerweise könnte ich auch „liebe“ für „schätze“ schreiben. Nach den Rückständen wurde weiter gesungen, angefeuert und mitgefiebert. Andere Fanszenen pfeifen und pöbeln, hier wird noch lauter, noch herzhafter und noch berührender gesungen. Dabei ist es komplett egal, ob es lange Lieder sind, oder sogenannte „Schlachtrufe“, knappe, stakkatomäßige Anfeuerungen. Wer genau hinhört und sein Herz dabei öffnet, wird merken können, dass beide Arten des Supports eine Huldigung, eine Liebeserklärung an den Kampfgeist und die Moral der Mannschaft sind, an das nichts geknüpft ist, außer dem Verlangen nach Charakter und Wille. In einigen Fällen entsteht dabei eine wechselseitige Beeinflussung der Akteure auf dem Platz und derer im Block. So auch an diesem Abend. Wir müssen nicht so spielen wie der Barcelona CF oder Manchester City FC. Mir reicht oben genanntes Gefühlserlebnis. Dann ist das Ergebnis Nebensache. Natürlich schießen Gefühle keine Tore und gewinnen Punkte oder gar Pokale, aber für mich ist ein Gefühlserlebnis dieser Kolöhr eine der Grundvoraussetzungen zu einem positiven Ausgang des Spiels.
Ich hoffe, es wurde deutlich, dass es eine bewegende Partie an diesem Abend war und so bewegte ich mich ebenfalls in übervollen S-Bahnen Richtung Berlin Hauptbahnhof, um mich ungesund zu ernähren und ausreichend Bier für die unglaublich zeitintensive Rücktort(o)ur zu erstehen.
Als besonderen Appetizer gibt es heute keine Neuigkeiten vom kleinsten aller kleinen Männern, sondern Enthüllungen botanischer Art. „La vie en rose.“– „Der Name der Rose?“– „Bier.“ (Zitat von Mitreisenden gleicher Gesinnung.)

Zu guter Letzt würde ich gerne an deinen blinden Aktionismus appellieren und den Wunsch nach mehr Kommentaren äußern. Auch wenn der Blogcounter die Aufrufe dieser Seite zählt, so ist es doch seltsam, dass wenige Menschen sich an meinen Beiträgen ereifern, sei es positiver oder meinetwegen auch negativer Art. Shitstorms sind doch spätestens seit der nötigen und teilweise erheiternden Diskussion über Frwld groß in Mode.
AHU!

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3 Antworten auf „1. FC Union Berlin vs. FC St. Pauli 4:2“


  1. 1 pauliane 19. März 2013 um 7:35 Uhr

    …und es ist nicht kitschig „liebe“ statt „schätzen“ zu schreiben :)
    ansonsten: schöner text…

  2. 2 Harry 20. März 2013 um 8:25 Uhr

    eigentlich wollte ich hier einen smiley mit fliegenden Herzen reinsetzen, aber das kann ich nicht. also muss es so gehen: smiley mit fliegenden Herzen!

  3. 3 Administrator 20. März 2013 um 12:00 Uhr

    Hallo ihr,
    schön, dass euch diese Art der Poesie gefällt!
    Weitermachen!

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