Vorrausschau

Montag geht es also wieder los. Genau genommen schon letzten Samstag, aber da ich anderweitig verhindert war, ist das zweite Spiel im neuen Jahr mein erstes. Natürlich bin ich gespannt, aufgeregt und nervös. Aber es lässt sich aushalten. Liegt es am unaufhaltsamen Altern oder am schwindenden Interesse? Ich kann die Antwort nicht eindeutig geben, zuviel ist passiert, als dass ich euphorisch in die Rückserie starte. Klar, es gibt einen neuen Trainer, neue Spieler, aber den spielerischen Beweis sind die Götter in Braun-Weiß im ersten Rückrundenspiel schuldig geblieben. Daher freue ich mich vorrangig auf die netten Menschen und die Atmosphäre. Montagabend, Flutlicht. Mehr will ich erstmal nicht und da es abends aus unerfindlichen Gründen dunkel ist, bekomme ich wohl mein Flutlicht. Ich warte geduldig auf den Moment, an dem der Funke kommt, der die Leidenschaft neu entzündet und mich erhellt. Selbstlos wie ich bin, gebe ich die Erleuchtung gerne an die Mannschaft weiter. Falls das klappt, schreibe ich auch gern weiter Berichte. Falls nicht, wahrscheinlich auch.
Ich weiß nicht genau, wo ich mit meinem Vorbericht hin will, ich habe einfach drauflos geschrieben. Dieser ungewohnte Bericht im Vorfeld eines Spiels ist der Langeweile geschuldet. Irgendwie auch dem Gedanken, wo ich mich gerade befinde und wo ich eigentlich hin will. Nicht aus sportlicher Sicht, sondern persönlich. Da sich meine persönliche desöfteren schon mit der sportlichen Situation meines favorisierten Fußballclubs gedeckt hat, stellt sich mir also diese Frage. Das dritte Jahrzehnt meines Lebens ist beinahe erreicht, ich habe einen wundervollen Sohn und tolle Menschen bereichern mein Leben. Mehr geht irgendwie nicht, aber was mich etwas nachdenklich macht, ist die Abgeklärtheit, mit der ich dem aktuellen Fandasein begegne. Früher wurde sich jedem Wochenende in allen erdenklichen Ecken des Landes dem Rausch hingegeben, Teil einer verschmolzenen und in sich geschlossenen Masse zu sein. Mit allem was dazugehört. Aufgabe des Individualismus, Bewusstwerdung der Abnabelung vom Vater. Das sind so zwei gewichtige Eckpunkte meines Heranwachsens, welche sich sehr bedeutsam anfühlen. Individualismus kehrt langsam zurück, zum Glück. Das sich selbst Zurechtfinden und seinen Platz in der Masse von 20.000 Menschen zu finden, ist nicht einfach und auch nicht frei von Kompromissen. Mittlerweile habe ich das erkannt (sonst würden die Worte nicht dergestalt aussehen) und es beginnt sich etwas Neues zu entwickeln. Vielleicht setze ich mich neu zusammen, um in der Rückrunde noch eine neue Facette und Abhängigkeit meiner persönlichen Situation vom Fandasein, kennenzulernen. Sollte mir das irgendwann bewusst sein, erscheint bestimmt ein weiterer Bericht mit einer derart persönlichen Note.
Danke für’s Lesen.

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