Amateurfußball

Offenburger FV vs. FC St. Pauli 0:3

Die erste Runde des DFB Pokals führte amrandedesdorfes per Bus in den Südwesten der Republik. Aufgrund der zu erwartenden hohen Temperaturen wurde ein Besuch an einem Badesee im Nachbardorf des Austragungsortes der Partie eingeplant. Nach Ankunft fanden sich zwei Busbesatzungen im kühlen Nass wieder und schockten die am Wasserrand vor sich hinbratende ergraute Landbevölkerung. Kein Wunder, wenn ein Haufen übermüdeter und betrunkener, zudem noch tätowierter Menschen aus zwei Bussen stolpert, um sich im Badesee zu regenerieren. Teilweise gab es auch interessierte Menschen, die das Gespräch suchten. Meinereiner wurde von einem älteren Herren in ein Gespräch über Amateurfußball im Elsass verwickelt, dessen Tenor seitens des ortsansässigen darin bestand, Menschen aus dem Elsass vorzuwerfen, für zu billiges Geld Fußball zu spielen, sodass ein Leistungsunterschied zwischen dem deutschen und dem französichen Amateurfußball die Konsequenz war. Ich ahnte Böses, hatte ich mich doch mit der Geschichte der deutsch-französischen territorialen Kämpfe im Vorfeld der Reise nicht eingehender befasst. Also beendete ich das Gespräch und erhielt noch Erfolgswünsche.
Nach dem Badespaß ging es per Fuß zum Bahnhof, um in Offenburg die nächste Runde im DFB Pokal zu erreichen. Der Marsch durch die Innenstadt Offenburgs gehört für mich definitiv zu einem der entspannteren, die meine Auswärtskarriere so zu bieten hat. Keine Polizei, viele Gesänge und eine entspannte Landbevölkerung, die zwar gafften, aber sich dennoch amüsierten.
Angelangt am Stadion vertickte ich noch schnell eine Karte, um mich dann durch den Gästeeingang auf die Hintertortribüne zu begeben, aber nicht, ohne vorher eine Bratwurst und einen Becher Bier zu erstehen. Man muss dazu sagen, dass bereits seit 10.00 Uhr morgens die Sonne auf die Körper der Menschen brannte. Mittlerweile waren es gefühlte 45°C, was die Feuerwehr dazu veranlasste, den Gästeblock mit Wasser aus ihren Löschschläuchen zu versorgen. Das Ordnungspersonal brachte Kübel mit Wasser herbei und auch untereinander half man sich im Fanblock mit Wasserlieferungen aus.
Während des gesamten Spiels hatte Offenburg eine Torchance, St. Pauli die Partie fest im Griff. Daraus resultierten drei Tore, zwei davon erzielt durch Mahir Saglik, dem ich noch immer seine Ligatauglichkeit abspreche, wir spielten ja schließlich auch DFB Pokal.
Ein Pflichtsieg, dennoch war das Gefühl, eine Runde weiter gekommen zu sein, ausgeprägter als ich es vor der Auswärtsfahrt erwartet hatte. Ich deklarierte meinen leisen Anflug von Optimismus als „Freude über einen Testspielsieg“ und versuchte, die lange Rückfahrt durch die Nacht mit Schlaf und Bier trinken zu verbringen. Schlafen kann man nicht, wenn die Klimaanlage ausgefallen ist und im Bus des Nachts noch über 30°C herrschen. Man wird nur von der leicht geöffneten Dachluke gekühlt, dies jedoch so konstant, dass man am nächsten Tag krank ist. Der DVD-Player ging auch nicht, keine Musik verzauberte meine Ohren und sowieso waren die Busfahrer eher unnötig. Naja, ist ja für den magischen FC und so langsam sollte jeder gelernt haben, dass am Ende eh wieder der kleine Mann zahlt.

TSV Elstorf vs. Germania Walsrode 1:4

Das letzte Heimspiel im Stadion an der Schützenstraße steht an und im Stadionheft des TSV fordert man unbedingten Willen und Einsatz, um sicher in der Bezirksliga Lüneburg 2 zu verbleiben. Bevor ich jedoch das Spielgeschehen reflektiere, möchte ich der geneigten Leserschaft noch eine Passage aus oben genanntem Stadionheft präsentieren.

„…da ja viele Spieler vom Kopf her sehr einfach gestrickt sind, denken die jetzt auch tatsächlich, dass sie die Größten sind, fahren jetzt erstmal schön nach Malle und lassen den Mega-Superstar raushängen, ich könnt mich da echt übergeben. Wenn man mit jungen Spielern, die sich für einen Verein zerreißen und alles geben, den Klassenerhalt schafft, dann ist das stark und ich bin voll dabei, aber diese HSV-Dödels gehen mir momentan mächtig auf die Nerven (…) Also wenn die nächste Saison so anfängt, wie die alte aufgehört hat, dann schmeiß ich dem Guerrero so lange Bierbecher gegen die Birne, bis ich Stadionverbot bekomme. Versprochen!“
(Der Betreiber dieses Blogs weist darauf hin, dass es nicht seine Meinung ist, die oben dargestellt wurde)

Herzhaftes Lachen über diese Passage ist ausdrücklich erwünscht und wurde von mir bereits ausgeübt.

Der TSV Elstorf steht heute etwas unter Zugzwang, sind es nur noch wenige Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, der den Abstieg möglicherweise besiegeln würde. Germania Walsrode steht im gesicherten Mittelfeld der Tabelle und könnte sich eigentlich zurücklehnen.
Schon wenige Sekunden nach Anpfiff ist bereits klar, dass es von beiden Mannschaften ein sehr intensiv geführtes Spiel wird, denn nach sechs Minuten muss ein Elstorfer Spieler nach einem Foulspiel verletzt ausgewechselt werden. Sehr aggressive und zwingende Phasen, in denen beide Mannschaften jeweils zu einer Großchance kamen, wechseln sich mit durchaus sehr niveaulosen Phasen ab. So dauert es bis kurz nach der Pause, dass Germania Walsrode durch eine schlafende Abwehr der Elstorfer läuft und ohne Probleme zum 0:1 einschießen kann.
Zwischendurch macht sich der Schiedsrichter durch kleine Unachtsamkeiten unbeliebt, so hat er scheinbar seine Karten am Skattisch liegengelassen und quält sich bis zur 80. Minute, in der er die erste gelbe Karte gegen einen Walsroder Spieler zieht. Auch die Linienrichter passen sich dem Schiedsrichter an und zeigen doch tatsächlich auf Zuruf der Walsroder Bank Abseits an. Viele der 527 (!) Zuschauer lässt dies jedoch kalt und so bin ich der einzige, der sich lautstark über diese Unerhörtheit empört.
Die Walsroder wissen die aufkommende Unsicherheit der Elstorfer auszunutzen und schießen noch drei weitere Tore. Als ein berechtigter Elfmeter nicht gegeben wird und ich der Meinung bin, dass nun eine Invasion des Grüns kaum noch zu umgehen ist, schießt der Elstorfer Stürmer doch noch den Ehrentreffer. Der Schiedsrichter lässt noch vier selbstdarstellerische Minuten nachspielen und pfeift dann endlich ab.
Mit diesem Endstand hatte niemand, den ich vor der Partie belauschen konnte, gerechnet, und so leert sich das eckige Rund zügig. Für den TSV Elstorf wird es nun recht schwer, am letzten Spieltag in Jesteburg den Klassenerhalt klar zu machen, da die Hoffnung jedoch zuletzt stirbt, aber auf jeden Fall stirbt, ist zumindest dies sicher.

Und für alle, die es noch nicht wussten, in Walsrode erhält man vom Bürgermeister drei Paar Schuhe, wenn man auf ein Automobil verzichtet. Weil das ist ja umweltverträglicher.

SV Teutonia Uelzen vs. FC St. Pauli 1:4

Familiäre Verbindungen machen es möglich, dass ich mich an einem Freitag im idyllischen Uelzen auf einem Balkon wiederfinde und totes Tier in mich hineinstopfe. Es ist warm und sonnig. Bier schmeckt, wenn es aus unerfindlichen Gründen nach einem in Deutschland illegalen Gewächs duftet, sobald man es öffnet, noch besser. Munkelnde Stimmen beschwören die Farbe der Glasflasche als Verursacher für diesen Umstand herauf.
Der Grund für meinen Besuch ist jedoch weniger Bier und Aas, sondern Fußball. Der in Uelzen seit 1912 bestehende Verein SV Teutonia feiert 100-jähriges Jubiläum und hat dafür richtig tief in die Tasche gegriffen, um den FC St. Pauli zum Freundschaftsspiel zu bitten. Insider berichten von einer mittleren fünfstelligen Summe als Antrittsgage.

Mit dem Fahrrad machen wir uns schließlich zu dritt auf den Weg zum Stadion, welches eher den Namen Sportplatz verdient. Ich bin allerdings der Meinung, dass es einer gewissen Ehrerbietung bedarf, wenn man zu Amateurvereinen reist, um diese wenigstens finanziell zu unterstützen. Daher die von anderen belächelte Bezeichnung „Stadion“.

Am Einlass wird ein Ordner noch kurz und schmerzhaft beschimpft, da dieser sich nicht schämt, eine in nationalen Kreisen beliebte Textilienmarke zur Schau zu tragen. Es dauert etwas, bis ich mich zu Ende darüber aufgeregt habe. Die Option, den Oberordner darüber zu informieren, was einer seiner Angestellten da unterstützt, wird verworfen, als ich den Oberordner sehe. Schwankend, lallend und eher kompetent im negativen Bereich; vertane verbale Energiereserven.

Selbige werden sinnvoller genutzt, als ich zum Anpfiff und die folgenden paar Minuten aus Spaß bissige Kommentare und Pöbeleien zur Spielweise meines Lieblingsvereins von mir gebe. Einige Umstehende werten dies jedoch vollkommen humorlos als „endlich mal jemand, der die Sache ernst nimmt.“ Hallo? Wir sind hier beim Fußball, und nicht beim Uno spielen. Natürlich nehme ich das ernst, wenn auch in Ironie verpackt. Ich kann ja nichts dafür, wenn ihr kein Herzblut habt. Orientierungslose Rübennasen.

Das Spiel plätschert vor sich hin, der FC St. Pauli lässt die Teutonen sich müde laufen und schießt drei Tore mehr als die Uelzener Amateurkicker. Positiv aufgefallen sind mir einige Spieler des SV Teutonia. Ein recht schneller Außenbahnspieler, der dann auch verdienterweise das einzige Tor für die gastgebende Mannschaft schießt. Weiterhin hatten die offensiven Mittelfeldspieler einige gute Szenen, ob dies nun an der Nachlässigkeit der Profis aus dem schönsten Viertel der Welt oder an den real football-skillz der Toitonen lag, vermag ich nicht zu beurteilen.
Weiteres Highlight ist der Stadionsprecher, der immer mal wieder unerhört inbrünstig und voller motivierendem Feuer in der Stimme die ohnehin schon tobende Masse fußballverrückter Uelzener Fans anstachelt, der vorhanden Hexenkesselatmosphäre noch die Supportkrone aufzusetzen. Das klingt dann ungefähr so (man stelle sich einen Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt vor, der schon seit zehn Stunden die Frage nach einem Weihnachtsgedicht stellt): „Los, Uelzener Fußballfans, macht Stimmung für unsere Mannschaft, wir wollen ein tolles Fußballfest.“

Nach Abpfiff werden die St. Pauli- Spieler von vielen kleinen Autogrammjägern umringt und müssen sich freischreiben.

Ich mache mich auf den Nachhauseweg per Metronom und entscheide mich spontan für einen Besuch in Wilhelmsburg. Nach amrandedesdorfes wird mit dem Drahtesel gefahren. Spitzentyp!

FC St. Pauli II vs. Hamburger Sportverein II 1:0

Ich weiß nicht, wie lange die Eintrittskarte an meiner Pinnwand hing, ohne benutzt zu werden. Nachdem im Februar 2011 bereits die Profimannschaften aufeinander trafen, gab es nun nach einigen Spielverlegungen aufgrund der Witterung oder wie man munkelt aufgrund polizeilicher Einflussnahme auf Spieltagsterminierungen, die Begegnung der zweiten Mannschaften.
Spieltage in der Woche sind bei mir nicht sonderlich beliebt, stresst mich doch die späte Anreise wegen Lohnarbeit sehr. Dies bedeutet den Wegfall sämtlicher Rituale, die einfach sein müssen und ohne die ich zwanghafte Verhaltensweisen nicht ausleben kann.
So traf ich mich 15 Minuten vor Spielbeginn mit einem Freund vorm Stadion. Ein verzweifelter Hilferuf per SMS meinerseits, doch für Hopfengetränke zu sorgen, wurde befolgt und so verbrachten wir gerade einmal 10 Minuten damit, ungefähr 1,5 Liter Bier in uns hineinzuschütten.
Nach rudimentär vorhanden Einlasskontrollen trotz Sicherheitsspiels fanden wir uns auf den Stehplätzen der Südkurve wieder. Wir nahmen kaum die Plätze ein, da sagte der Stadionsprecher durch, dass wegen des großen Andrangs die Partie 15 Minuten später angepfiffen wird.
Eine Fangruppe des FC St. Pauli hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, sich auf den Business-Seats oberhalb der Stehplätze einzufinden. Viele Menschen befolgten diesen Aufruf und so konnte es organisierten Support unterm Tribünendach geben.
Die Fans der Vorstadtmannschaft kamen mit einem relativ großen Mob in den Gästeblock gestürmt (nein, kein Blocksturm, eher Flashmobstyle) und warfen zur Begrüßung einen Böller auf den Rasen. Böller sind ohnehin stumpf, warum man diese derart sinnlos einsetzt und sich gleichzeitig in der Kampagne „Emotionen respektieren, Pyrotechnk legalisieren“ engagiert, erschließt sich mir nicht. Wie dem auch sei, eine große Ansammlung von Menschen in schwarzen Jacken sieht immer imposant aus.
Anpfiff. St. Paulis Mannschaft legte sehr bissig los und so folgte die logische Konsequenz bereits in der 4. Minute. Nach großartiger Kombination und überlegtem Spiel stand es 1:0 für Braun-Weiß. Das war natürlich ein großartiger Beginn, um das Kapitel Stadtmeisterschaft optimal fortzusetzen. Im weiteren Verlauf hatte der Nachwuchs des HSV Probleme gegen die leidenschaftlich spielenden St. Paulianer ins Spiel zu kommen. Dies gab natürlich Anlass, um überheblich gegen den Anhang der Stellinger zu pöbeln. Vollkommen zurecht wie ich finde. Ich brüllte und schimpfte was das Zeug hielt. Mag übertrieben klingen, aber der HSV ist einfach scheiße und so ließ ich keine Gelegenheit aus, um meiner Abneigung Luft zu machen. Einige Umstehende fanden es lustig, andere schüttelten den Kopf. Ich mag das. Würde ich diese Emotionen während eines Spiels zurückhalten, ich würde wohl platzen. Niemandem möchte ich zumuten, die Sauerei hinterher wegzumachen, daher gebe ich immer alles, um ordentlich zu pöbeln.
Vielleicht noch einen kleinen Blick zum sportlichen Geschehen auf dem Rasen. Es gab einge sehr gute Chancen auf beiden Seiten, dennoch blieb es beim Stand von 1:0 für die Guten. Die erste Halbzeit war ein ganz großes Spiel der Braun-Weißen, in der zweiten Hälfte verflachte die Dominanz etwas. Daher kamen die kleinen Rauten zu guten Gelegenheiten, die sie jedoch nicht nutzten.
Der Gästeblock war bis zur 80. Minute nicht zu vernehmen, es folgten nun stumpfe Gesänge und ausgelutschte Provokationen, die von der Südkurve mit frenetischem Applaus bejubelt wurden.
Bald pfiff der Schiedsrichter ab und so konnte sich die zweite Mannschaft in die Vitrine der Derbysieger einreihen. Nach dem Spiel ging es noch auf ein Bierchen ins Jolly Roger. Die sportliche Fraktion des Gästeanhangs wollte wohl mittrinken, durfte aber nicht und wurde folgerichtig verjagt.
Ein gefülltes Brot mit Fleisch, Salat und Soße wurde noch vernichtet, dann durfte der müde Körper nach Bahn- und Autofahrt endlich schlafen.

TSV Elstorf vs. TV Jahn Schneverdingen 2:3

Im Vorfeld der Partie wurde ich von einem Bekannten darauf hingewiesen, dass es eine aktive Fangruppe des Gegners bereits in ein Forum geschafft hat, in welchem der öffentliche Vergleich männlicher Genitalien ein allgemein anerkannter Ausgleich zum frustrierenden Leben seiner user ist. Dies steigerte meine Vorfreude erheblich, denn wann kann man schon mal Menschen im realen Leben sehen, die öffentlich, durch die Anonymität des Internets geschützt, Punkte für Gewaltorgien und andere urzeitliche Gebärden verteilen? Höchst selten, jedenfalls beim Amateurfußball.
Leider zerschlugen sich meine Hoffnungen, denn nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass sich die mit Spannung erwartete Ansammlung fanatischer Trolls schon vor zwei Jahren aufgelöst hat und nun in den nordwestlichen Teil Hamburgs zum Fußballgucken pilgert.
Nichtsdestotrotz machte ich mich eine halbe Stunde vor Anpfiff auf den Weg und begegnete unterwegs einem netten Menschen aus Schneverdingen, der mich erst nach dem Weg zum Sportplatz fragte und mich dann in seinem Automobil dorthin mitnahm. Diese Aktion befand ich schon mal als großartig, waren es doch nur noch ungefähr 300 Meter zum Sportzentrum des TSV. Zu Fuß weiter gehen durfte ich nicht, er war der Ansicht, dass es zu windig sei.
Am Eingang drei Euro gelöhnt, Spieltagsmagazin in die Hand gedrückt bekommen und mich nach einem Schal des TSV Elstorf erkundigt. Der Mensch, welcher mich um drei Euro erleichterte, zeigte mir den Weg zur Merchandisevitrine. Diese stand im Gaststättenraum, die Wirtin überreichte mir auf Nachfrage das letzte Exemplar eines großartig nostalgischen Schals. 90er, sag ich da nur.
Bratwurst, Bier und dann war auch schon Anpfiff.
Ich erwartete eine klare Dominanz des Tabellenführers über den Tabellenelften TSV Elstorf. Davon war in der gesamten ersten Halbzeit nichts zu sehen, der TSV spielte sehr engagiert. Im Defensivbereich brannte kaum etwas an und wenn doch mal der Abwehr ein Fehler unterlief, war der Ersatztorwart der Elstorfer zur Stelle, der die nominelle Nummer Eins vertrat. Tragisch war dann die Szene, die zum 0:1 aus Elstorfer Sicht führte. Die Mannschaft aus Schneverdingen ist in Ballbesitz und stürmt aufs Elstorfer Tor. Kurzes Durcheinander in Elstorfs Abwehrreihe, der Torwart hat den Ball eigentlich sicher. Aus nicht ersichtlichen Gründen ist der Ball wieder frei und ein Spieler des TV Jahn Schneverdingen trifft aus drei Metern ins Tor.
Mit dem Stand von 0:1 geht es in die Halbzeit, in der ich mich geschwind ins sanitäre Kämmerlein verdrücke. Zurück am Platz höre ich Geschichten über Urlaube auf Mallorca, Grassoden mit fingerdicken Wurzeln und Söhne in Badeshorts bei 3°C. Ich denke noch darüber nach, wie sich die Halbzeitpausen beim Amateurfußball und beim Stadionevent eines Zweitligisten ähneln, da steht es schon 1:1. Großartig, ich brülle und pöbel sogar Richtung Schneverdinger Bank. Ich hatte eine hohe Niederlage erwartet und es steht unentschieden. 10 Minuten später trifft Elstorf erneut. Das Tor zählt, der Schiedsrichter hat ein für mich klares Foul an einem Verteidiger des TV Jahn nicht geahndet. Innerlich sehe ich die Elstorfer Spieler schon zu Feierbiestern mutieren, noch ist eine knappe halbe Stunde zu spielen. Kurz vor der 80. Minute, Schneverdingen rennt mit großem Willen gegen aufopfernd kämpfende Defensivspieler des TSV Elstorf an (inzwischen spielt der TSV mit einer Art Perlenkette vor dem Tor), bin ich mir sicher, dass das Ding durch ist. Zu viel investieren die Schneverdinger, zu wenig kommt dabei heraus. Dann fällt doch noch das mittlerweile verdiente 2:2. Okay, ich würde es auch schon feiern, wenn der TSV einen Punkt gegen den Tabellenführer holt, musste man doch gleich vier Stammspieler ersetzen. Daraus wird nichts. Das 2:2 verwandeln die Schneverdinger unter tatkräftiger Mithilfe der Elstorfer Abwehr zu einem 3:2. Genervt trete ich gegen eine Werbebande und schüttel den Kopf. Vielleicht übertrieben, aber da war wirklich mehr drin.
Abpfiff.
Das heutige Spiel war das bisher ansehnlichste, welches ich vom TSV Elstorf miterleben durfte. Sollten die Trainer und Spieler des TSV Elstorf diese genauso sehen und ihre Schlüsse ziehen, ist mit einem sicheren Verbleib in der Bezirksliga 2 Lüneburg zu rechnen.