Profifußball

FC St. Pauli vs. Fortuna Düsseldorf 4:0

Reichlich abgehetzt und erschöpft komme ich im Stadion an. Die Mannschaft betritt gerade den Platz und dreht die Begrüßungsrunde über den Rasen.
Die Zeit bis zum Anpfiff vertreibe ich mir mit klarkommen und der Pöbelei gegen meine Mitstehenden, die mir a) zuviel reden, b) mir mit Fahnen im Gesicht herumstochern und c) mir Konfetti überwerfen, welches ich heute morgen sogar in meiner Dusche finden konnte.
Der Vorsatz, dem Alkohol zu entsagen, wird nach kurzer Abwägzeit über den Haufen geworfen bzw. die Kehle heruntergestürzt.

Bereits beim „Aux Armes“ ist zu merken, dass hier irgendetwas anders ist. Die Mannschaft scheint den positiven Druck von den Rängen aufzusaugen und spielt einen sehr vernünftigen Stiefel. Ballsicherheit, gesunde Arroganz und sinnvoller Spielaufbau. Ich beginne an meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln, als Kyoung-Rok Choi innerhalb von sechs Minuten zweimal trifft und wir hastenichgesehen 2:0 führen. Düsseldorf spielt desolat. Die Fans von Fortuna Düsseldorf sind frustriert, Gegenstände fliegen auf den Platz, der Zusatztribüne auf der neuen Nordkurve sei Dank. Es wird kräftig in Richtung Gegengerade gepöbelt und einige Sitzschalen müssen auch dran glauben, als Waldemar Sobota zum 3:0 trifft.
In der Halbzeitpause sehe ich mich um und versuche in den Gesichtern der Menschen zu lesen. Überwiegend Erleichterung, denn nach diesen ersten 45 Minuten glauben alle fest an den Heimsieg.
Ich selbst verbringe den Rest des Spiels ebenfalls ganz entspannt. Plötzlich steht es durch Daniel Buballa 4:0, die nun insgesamt vier Tore konnten sich alle sehen lassen und mich packt die Fassungslosigkeit. Um mich herum explodieren Stimmen, Freudentänze werden aufgeführt und etliche Liter Bier fliegen durch die Luft. Inmitten dieses Trubels stehe ich und starre mit debilem Grinsen auf den Platz und auf die Anzeigentafel. So fassungslos, dass ich nicht mal jubeln konnte, war ich lange nicht mehr bei einem Fußballspiel.

Nach Abpfiff verziehe ich mich in die Fanräume und trinke ein Bier beim weltbesten Leipziger, den ich kenne. Später treffe ich noch einen netten Menschen aus Potsdam, einige Biere dürfen nicht schal werden. Zu Hause angelangt benötige ich längere Zeit, um einigermaßen in den Schlaf zu finden.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein sehr gelungenes Spiel mit vier Toren auch nur mit drei Punkten belohnt wird. Das Thema Abstiegskampf ist weiterhin aktuell. Der Auftritt der Spieler macht mir dennoch Mut, auch die nächsten scheinbar schwierigen Spiele erfolgreich zu gestalten. Böse Zungen behaupten stur, der Abstieg wäre bereits besiegelt. Ich denke nicht, dass wenn die Mannschaft so weiterspielt, persönlichen Befindlichkeiten hassgetriebener Personen entsprochen wird.

Noch was aus der Zitateecke:
„Pöbel und Gesocks- Choi, Choi, Choi!“
„Schenk‘ ein, den Lachs!“

FC St. Pauli vs. SV Darmstadt 1898 0:1

Wir sind nach diesem Spiel 18. der Zweiten Bundesliga. Kaum verwunderlich. Die Einen entschuldigen die miserablen Leistungen mit dem großen Verletzungspech, die Anderen üben sich in Durchhalteparolen. Zu letztgenannten gehören Präsident, Spieler und Trainer. Wie lange will man noch auf Herzblut, rote Karten und verletzte Gegenspieler warten? Es muss etwas passieren ganz klar, aber seit etwa fünf Heimspielen habe ich die Hoffnung aufgegeben und erwarte nichts, wenn ich ins Stadion gehe. Mir wurde eine unerklärliche Ruhe diagnostiziert. Im Vergleich dazu musste ich vor oben genanntem Zeitraum regelmäßig besänftigt werden, um den Zaun nicht abzureißen, der das Publikum von den Spielern trennt.
Ich möchte keinen Alonso oder Robben (eigentlich doch), ich möchte nur, dass sich die werten Herren, die unsere Trikots regelmäßig nur anschwitzen, ihren Hintern aufreißen und zeigen, dass sie verstanden haben, worum es geht, wenn ich mehr Hass verlange. Manche Dröhnbüddels aus meinem Stehplatzumfeld haben das nämlich nicht verstanden.
Der Trainer darf sich gerne öffentlich echauffieren und nicht immer alles auf die verletzten eigentlich Stammspieler schieben. Es spricht Bände, dass auf der Ersatzbank am Sonntag drei Spieler aus der U23 saßen, aber wie bitteschön kann es sein, dass sich die halbe Mannschaft jede Woche neue Gebrechen abholt? Da darf man sich als sportliche Leitung dann auch mal gerne Gedanken machen, ob man als Trainer das richtige Programm ablaufen lässt. Auch wenn man Halbgott in Braun-Weiß ist.
Was ich ebenso wenig verstehen kann, sind die Rufe nach einem Heilsbringer in Gestalt von Deniz Naki. Klar, cooler Typ, durchschnittlich guter Spieler, aber nach seiner sportlichen Talfahrt nach seiner guten Zeit beim FC Sankt Pauli, halte ich diese Wunschverpflichtung noch nicht für sinnvoll.
Leider hat unser neuer Präsident dem Team um Rachid Azzouzi und Thomas Meggle scheinbar einen Freifahrtschein in die Niederungen des unterbezahlten Drittliga-Fußballs erteilt und fährt nach seiner gewonnen Wahl auf der vergangenen Jahreshauptversammlung im November Kuschelkurs mit einem Boot aus Seide.

Meine Gefühlslage lässt sich nicht wirklich klar definieren. Hass auf die Scheißegalhaltung eigentlich gestandener Profis, Fassungslosigkeit über Fehler wie gestern vorm 0:1 oder auch Vorfreude auf brisante Duelle gegen die Vereine aus der ostdeutschen Teilrepublik wechseln sich stetig ab und spielen das Lied vom Abstieg.

Mir ist gerade nach „Verein runterrocken, absteigen und nach fünf Jahren wieder in die Erste Bundesliga aufsteigen und Deutscher Meister werden“. Das würde mir schmecken.

FC St. Pauli vs. FC Ingolstadt 1:1

Die Sommerpause ist vorbei und es geht wieder los. Viele Fragen sollten heute beantwortet werden, etwa was das Leistungsvermögen der Mannschaft angeht oder ob bei sehr sommerlichen Temperaturen die Feuerwehr den Wasserpreis durch Sprühspritzschläuche auf die schwitzenden Menschen in den Blöcken auf galaktische Reisen schickt.

Weit vorm Spiel traf man sich zu Soja-Steak, Schweinewurst und Getränk in einem Park, um den Spieltag entspannt und gruppendynamisch sinnvoll anzugehen. Nach einem Marsch mit gut 250 Menschen ging es dann zum Stadion. Ich musste noch Karten hin- und herorganisieren und konnte dann endlich auf meinen Platz im Stadion. Blicke in das weite Eck sorgten für Vorfreude und ich befand den Tag und meine Stimmung als nahezu perfekt, um mit einem Sieben zu Null Tabellenführer zu werden und den ersten Platz der zweiten Bundesliga bis zum 34. Spieltag nicht mehr herzugeben.

Die Mannschaft hatte 20 Minuten lang scheinbar das gleiche Bedürfnis, dann langte es aber auch wieder mit Fußball und Ingolstadt ging mit eins zu null in Führung.
Ernüchterung war die Folge, leider hat man sich überlegt, den Bierpreis um läppische 50 cent auf vier Euro zu erhöhen, sodass der Ernüchterung durch nicht vorhandene fußballerische Glanzleistungen auch mit Bier nicht entgegenzutreten war.

In der zweiten Halbzeit gelang uns dann noch durch Herrn Gonther der Ausgleich. Leider etwas spät, sodass die Mannschaften sich letztlich mit einem Unentschieden begnügen mussten.

Fazit des Spieltags ist, dass die Leute und die Atmosphäre und das Drumherum und die Paulipaadie immer noch toll sind, Fußball beim FC St. Pauli aber wie in der letzten Saison nahezu identisch boykottiert wird. Ich möchte mich nicht zum Trainer und den immer wiederkehrenden Durchhalteparolen äußern, ich möchte der Mannschaft nach dem ersten Saisonspiel kein Vertrauen entziehen und ich möchte auch nicht meckern. Aber Fußball möchte ich schon gern sehen dürfen.
Verdammt nochmal, mehr Hass!

Kurz bevor ich die Zeigefinger wetzte, um in die Tasten zu hacken, sickerte durch, dass ein neuer Stürmer, Ante Budimir, zu uns wechseln wird. Zu finden ist die Information beim abgebenden Verein und einer Website, die sich auf die zweite Bundesliga spezialisiert hat. Seine Empfehlung sind fünf Tore in drei Spielen.
Ob der Herr sich in der zweiten Liga zurecht findet und uns weiterhelfen kann, möchte ich erst nach Bestätigung durch den Verein erörtern.

FC St. Pauli vs. FC Erzgebirge Aue 2:2

Danke an
- die Organisatoren der Barkassenfahrt
- die Organisatoren der Sonderzugfahrt nach Köln
- meine Frau und meinen Sohn
- meine Freund*innen auf der Gegengeraden und in der Südkurve
- Thees Uhlmann
- die sogenannten Fans für die schöne Licht- und Rauchshow
- Kevin Schindler
- Florian Mohr
- Fin Bartels (Who the fuck is Hansa Rostock?)
- Fabian Boll (ACAB ;-) ) für Einsatz und Herzblut.

1. FC Köln vs. FC St. Pauli 4:0

Wir beginnen die Sonderzugtour mit emotionalen Gesprächen über Bim Bam Bino und das TV-Diktat der privaten Fernsehsender in den neunziger Jahren. Mit uns im Abteil sitzt ein Mensch, den ich lange nicht gesehen hatte. Gruß geht raus an das Rotwild.

Die Hinfahrt verläuft relativ ereignislos, sitzen, Bierverköstigung mit Niveau und weitere hochtrabende Gespräche über alles, bloß nicht Fußball. Warum auch? Wir dümpeln im Niemandsland der Tabelle, Köln ist aufgestiegen und Meister der zweiten Bundesliga. Ich tippe 4:0 für Köln, mir verrät ein Gefühl, dass ich nicht Unrecht behalten sollte. Leider haben wir keine Einsätze gesetzt. In Köln werden wir in die Straßenbahn verfrachtet und zum Stadion gekarrt. Das Stadion ist ganz schick, nur leider zu viele Sitzplätze. Die Wurst ist nicht so lecker, außerdem viel zu teuer. Bitburger alkoholfrei ist wenig erquickend, und so labe ich mich an Cola und Fanta. Zuckerparty, aber das ist nach einer bierigen Hinfahrt auch okay.

An dieser Stelle könnte etwas über das Spiel stehen.

Auf dem selbem Weg wieder zum Sonderzug, kurz sich, beziehungsweise das imperialistische Großkapital gefüttert und dann ab in den Zug. Schlafenszeit. Als ich in Harburg von der Durchsage des Zugbegleiters geweckt werde, ist es dunkel und alle schlafen in meinem Abteil. Ich habe Glück, eine S-Bahn steht am Gleis und ich habe genug Energie, um in die Bahn zu hüpfen und mich ins Bett fahren zu lassen.

Nächste Woche habe ich vielleicht wieder einen Grund, um über Fußball zu schreiben. Ich gucke ja nichtmal „Die romantischsten Eisenbahnstrecken der BRD“, daher bin ich etwas skeptisch, ob mein reiner Bahnfahrbericht hier Anklang findet.

Fortuna Düsseldorf vs. FC St. Pauli 0:2

Unerhört früh kann ich mich dem Spieltagsbericht vom vergangenen Sonntag widmen. Möglich machen dies besondere widrige Umstände. Auf der einen Seite komplett zusammengebrochen gelingt mir diesmal andererseits, die faule Schreibhand zu aktivieren.
Samstag Abend habe ich mir dann doch noch einen Busplatz und eine Eintrittskarte organisiert, um die Mannschaft mit vielen anderen Menschen nach Düsseldorf zu begleiten.
Die Hinfahrt verlief ereignislos, zur Abwechslung mal gute Musik und kühle Getränke ließen uns schnell in Düsseldorf landen. Landen deshalb, weil die Arena erstens in einem von Wellblechhallen dominierten Gewerbegebiet liegt. Zweitens sieht die Arena (ich schreibe absichtlich Arena, den Namen Stadion hat dieses Geschöpf inkompetenter Architekten nicht verdient) auch selbst aus wie ein Terminal eines Flughafens.
Nun denn, ich möchte meinen, der Gästeblock ist einer der besseren in Liga zwei. Steile Stufen, genug Platz, gute Sicht. Ach ja, und sogar zwei Aufgänge, die einen sicheren Altbiernachschub garantierten. Das schmeckt mir.
Dieses Auswärtsspiel ist meiner Meinung nach eines der attraktivsten dieser Saison gewesen. Engagierte Spieler, die sich unterstützten, effektives um-den-Ball-kämpfen und dann auch noch einen Vorsprung nach Toren gehalten und sogar noch erhöht.
Das 1:0 aus unserer Sicht fiel nach einem konsequent zu Ende gespielten Konter, dem ein Fehler in (Un)Fortunas Abwehrspiel vorausging. Fortuna in der Folge nicht aggressiv genug, teilweise auch ohne das nötige Glück. Das hatten wir heute gepachtet, in der Nachspielzeit gelang noch der Endstand von 2:0 aus unserer Sicht. Spät, fast zu spät, aber nicht unverdient.
Nach dem Abfeiern der Mannschaft setzte ich mich in den Bus und verschlief fast die ganze Rückfahrt.
Gut, dass es Fußball gibt.

PS: Hey, Hamburger Sportverein! … always smarter than you! ;-)

FC St. Pauli vs. 1. FC Union Berlin 2:1

Wie immer weit vor Spielbeginn packte mich die Nervosität. Ich habe Hunger, kann aber nichts essen, die Zigaretten schmecken nicht und wenn nicht alles wie immer läuft, verlieren wir.
In meinem zwanghaften Wahn fuhr ich zum Stadion, um meine Wahnliste abzuarbeiten. Zeitung 1 gekauft, Zeitung 2 ist noch nicht da. Erstes schlechtes Omen. Die Zeit bis zum Einlass vertrieb ich mir mit einem leckeren Bier, Warten und Eintrittskartenorganisation für andere Menschen. Das mache ich gefühlt jedes Mal, obwohl ich mir immer sage, dieses Kartenverteilen ist zu stressig, Leute halten sich nicht an die Absprachen und bringen meinen Zeitplan durcheinander. Diesmal lief alles glatt, zwei Menschen aus Berlin wollten Union weinen sehen und warteten mit uns voller Vorfreude auf den Anpfiff.

In der ersten Halbzeit war schnell zu erkennen, dass beide Mannschaften eine ähnlich kompakte Strategie fuhren, die zu einem kampfbetonten, nicht wirklich ansehnlichen Spiel führte. Zwei, drei Chancen gab es auf jeder Seite, aber zwingenden Spielfluss brachte kein Team zustande.
Bei Union stach wie immer der dicke Mattuschka aus dem Team hervor, der mit seinen Weitschüssen Philip Tschauner zu Höchstleistungen zwang. Menschen, die hinter mir standen, unterhielten sich so angeregt über die Körperfülle des beinahe schon Fußballrentners, dass es mir ein Vergnügen war, zuzuhören. Dies hob meine bis dato leicht frustrierte Stimmung.
Irgendwann in der zweiten Halbzeit ging Union dann in Führung, drei Minuten später schoss Sebastian Schachten den Ausgleich. Ich mag den Basti. Unglaublich unkoordinierter Laufstil, jedoch nicht minder engagiert. Herr Schachten ist ein Spieler, den man in so einem Spiel unbedingt aufstellen muss. Leidenschaft, rennen, fluchen, antreiben.
Positiv aufgefallen ist mir noch Marcel Halstenberg, der ein ums andere Mal mit wuchtigen Fernschüssen für Gefahr vorm Berliner Tor sorgte.
Die Stimmung an diesem (Scheiß)Montagabend war ok, ich habe eigentlich höhere Supportansprüche. Nur ein oder zweimal konnte man erahnen, wie laut die Gegengerade sein kann. Mehr davon!
Zum Ende wurde es recht laut, ich hatte das Gefühl, dass heute ein Großteil der Zuschauer unbedingt einen Heimsieg sehen will. Und Fin Bartels hat das wohl genauso gewollt, in der 88. (pfui!) Minute traf er ins Tor der Unioner und machte so den 2:1 Endstand perfekt.
Dem Menschen, der nach dem Ausgleich sein Bier über mir entleerte (und es war nicht in der Emotion des Torjubels, sondern bei Song 2), empfehle ich, sich beim nächsten Spiel nicht neben mich zu stellen und erneut sein Bier absichtlich durch die Luft zu werfen. Bist du ein Kosmonaut, oder hast du im Physikunterricht nicht aufgepasst? Schwerkraft ist das Stichwort! Du Hackbraten.
Irgendwann hatte ich genug vom Abfeiern der Mannschaft und ging noch kurz was essen und ein Bier trinken. Dann fuhr ich mit der Bahn direkt ins Bett.

FC St. Pauli vs. Karlsruher SC 0:2

Und manchmal verliert man dann auch mal wieder. Um von einer Serie nach zwei gewonnenen Spielen zu sprechen, war das eigentlich zu wenig, fühlte sich aber so an. Gestern haben wir einfach nicht das auspacken können, was in den letzten Spielen unser bestes Werkzeug war. Passsicherheit, Umschalten zu Defensive oder Offensive und Torhunger.
Die Mannschaft aus Karlsruhe hatte sich diese Attribute aber wohl von uns abgeguckt, bzw. funktionieren als Mannschaft ähnlich, sonst würden sie nicht so weit oben in der Tabelle stehen.

Nichtsdestotrotz bin ich mit dem Stand jetzt, also Tabellenstand, Zustand der Mannschaft und der Bindung Roland Vrabecs als Cheftrainer bis 2015, mehr als zufrieden. Die Mannschaft spielt einen mutigen Fußball, den ich zuletzt in den Aufstiegsjahren gesehen habe. Natürlich bleibt abzuwarten, ob dieses Tempo bis zu Saisonende durchgehalten werden kann, aber Punktgleichheit mit dem dritten Tabellenplatz ist schon dufte.
Ich bin ebenso zufrieden mit der Bindung Roland Vrabecs als Cheftrainer. Der Mann scheint die Mannschaft zu erreichen, gibt oftmals wichtige Impulse, sei es durch sein Auftreten an der Seitenlinie oder durch Einwechslungen.

Jetzt ist erstmal Winterpause und man kann sich neu ordnen und auf den Rest der Saison einstimmen. Bei wichtigen Themen gibt es Lebenszeichen, wenn es Unwichtiges zu berichten gibt, vielleicht auch.
Weitermachen!

1. FC Kaiserslautern vs. FC St. Pauli 4:1

Endlich habe ich es geschafft. Endlich gibt es mal wieder einen Bericht und ich war in Kaiserslautern. Bis zum Vorabend blieb es ungemein spannend, ob ich wirklich fahren kann. Mein Körper war der Meinung, er müsste krank werden und so bedurfte es einer Menge Ekeltee, um die Viren, oder was da so rumkreuchte, in die Knie zu zwingen.
Per ICE ging es frühmorgens in die Pfalz. Gemütlich, nette Leute um mich und meine Mitreisenden herum. Das einzig Seltsame an ICE-Fahrten zu Auswärtsspielen ist die Orientierungslosigkeit. Im Gegensatz zu Regionalbahntouren wusste ich nie, wo wir uns befanden. Man ballert mit 220 km/h durch dieses skurrile Land und ist innerhalb von 4,5 Stunden in Mannheim.
Vom Bahnhof aus nahmen wir den Weg auf den Betzenberg per pedes auf uns. Schlechte Idee. Es geht wirklich sportlich steil bergauf, das Schlimmste waren allerdings die letzten Treppen zum Gästeblock. Gefühlte 765 Stufen, dazu Raucherlunge und Schlafmangel. Sportiv sieht anders aus.
Im Stadion dann der nächste Aufreger. Bezahlkarte, 60 Cent zuwenig für eine Bratwurst. „Kann ich auch bar nachzahlen?“–“Ja, wenn Sie Ihre Karte erneut aufladen.“ Himmel, Arsch und Zwirn, 60 Cent!!! Dann eben nur Bier. Was für ein Ärger.
Das Spiel? Fand ich von unserer Seite gut, leider war die Innenverteidigung nicht sonderlich wach und an Tschauners Verantwortlichkeit für drei der vier Gegentore scheiden sich auch die Kritiken. Gefreut hat mich, dass Jan-Philipp Kalla nun seit zwei oder drei Spielen seine Sache als einer von zwei Sechsern auf dem Feld wirklich gut spielt. Dass er dann auch noch trifft, hat mich nochmal doppelt gefreut und ich sah meine oft positive Sichtweise der einzigen Schnecke in Fußballschuhen bestätigt.
Das Stadion an sich finde ich recht sympathisch, steile Tribünen, enge Bauweise. Was mich jedoch negativ überraschte, war der Stehplatzbereich und die dort beheimateten Fans der Heimmannschaft. Ziemlich leise, nur bei den Toren konnte ich die Westkurve (?) vernehmen. Und dann noch das beknackte Taschentuchgewedel. Naja, aus unserem Block durften sich die Fans vom 1.FCK dann ein gediegenes „You only sing when you‘re winning“ anhören. Vollkommen zurecht, und scheinbar muss es angekommen sein, so leise wie der Heimblock war.
Die Rückfahrt brachte zwei neue Spitznamen hervor, Waschbecken-Torsten und Mittelfinger-Murat. Über alle weiteren Geschehnisse der Rückfahrt hülle ich den Mantel des Schweigens. Oder die Kutte des Schweigens?
Bleibt dran, wir knacken hier bald die 10.000 Klicks. Find‘ ich gut.

Pflanzen brauchen Wasser zum Wachsen.

Weil es nun schon seit einiger Zeit kaum noch Spielberichte von mir gibt, möchte ich die kleinen Funken der Motivation nutzen und einige allgemeine Zeilen zur aktuellen Situation der Profifußballmannschaft des FC Sankt Pauli schreiben.
In meiner Wahrnehmung haben wir uns ziemlich bescheiden auf Platz vier in der Tabelle der 2. Bundesliga geschoben. Bescheiden meint nicht bescheidene Spiele, sondern eher heimlich, still und leise. Für mich hat Michael Frontzeck daran großen Anteil, denn er setzt auf die Entwicklung einer Mannschaft, die oft schon sehr gute Ansätze zeigt. Mir als Laien in Sachen Taktik und System fallen sogar einige Aspekte ein.
Offensiv haben wir großes Potenzial, mit Buchtmann, Bartels, Rzatkowski und Thy stehen vier Spieler bei uns unter Vertrag, die als junge Talente geholt wurden, mittlerweile aber feste Säulen in der Mannschaft sind. Diese Spieler bereiten mir Freude, weil sie auch nach Fehlpässen nicht aufgeben, sondern noch die letzten Meter dem Ball entgegen laufen, auch wenn er offensichtlich ins Seitenaus rollt. Sie arbeiten gegen den Ball, sobald die gegnerische Mannschaft versucht ihr Offensivspiel aufzuziehen. Diese unterstützende Arbeit hilft der gesamten Mannschaft, die Räume zuzustellen, die Gegenspieler ins Leere laufen zu lassen und den Ball zu erobern. Natürlich ist noch nicht alles perfekt, was auf dem Platz zu sehen ist, aber eines kann man den jungen Spielern nicht absprechen. Den Willen und das Herzblut. Ich habe ein gutes Gefühl dabei, dieser jungen Mannschaft Zeit zu geben. Auch wenn ich während eines Spiels oftmals lautstark herumpoltere. Ich kann die Kritik einiger Hobbytrainer an Michael Frontzeck nicht nachvollziehen. Es wächst etwas Großes heran, das braucht Zeit. Um später langfristigen Erfolg zu haben, sich möglicherweise in der 1. Bundesliga festzusetzen oder mindestens dauerhaft um den Aufstieg in die Beletage des Fußballs mitzuspielen. Die sogar nach soliden (gewonnenen) Spielen aufkeimende Kritik an Spielern und Trainer ist oftmals überzogen und nicht gerechtfertigt. Wir sind nun mal nicht Barcelona, Manchester City oder Real Madrid. Wir machen aus unseren Möglichkeiten oft das Beste, das muss man einfach einsehen. Wem das nicht reicht, sollte seinen Anspruch doch bitte mal überdenken und im besten Falle neu ausrichten.
Voran Sankt Pauli.